„I’m not a UBI guy, not now“ sagte Paul Krugman…

…in einem Interview (Englisch) mit CNBC. Weshalb? Er führt verschiedene Gründe an, z. B. hält er es politisch für nicht durchsetzbar. Gut, dass kann man so sehen, wissen kann er es nicht, denn wenn die Diskussion an Fahrt aufnimmt und beharrlich geführt wird, kann sich die Lage ändern – das ist in Deutschland ebenso zu beobachten, in der zumindest rhetorisch artikulierten Abkehr von „Hartz IV“. Wären wir „right on the verge that robots take our jobs“, dann sähe das anders aus, dann könnte Krugman dem UBI offenbar etwas abgewinnen. Da dies nicht so ist, bevorzugt er „targeted programs“. Doch alles, was er anführt, könnte genauso für ein „UBI“ ausgelegt werden. Statt einen Gegensatz zwischen „targeted programs“ und „UBI“ aufzumachen, könnte andersherum gesagt werden, dass ein „UBI“ das „targeted program“ schlechthin mit der größten Reichweite wäre, weil es direkt an die Person geht. Doch mit „targeted“ wird etwas anderes bezeichnet, es werden bestimmte Zwecke verfolgt, das kann durchaus sinnvoll sein, so z. B. mit der Krankenversicherung und ähnlichen Leistungen. Weshalb aber ist mehr Freiraum für Selbstbestimmung kein „target“? Diesen Punkt sieht Krugman nicht einmal.

Sascha Liebermann

„Michael Tubbs on universal basic income: ‚The issue with poverty is a lack of cash'“…

…so Michael Tubbs, Bürgermeister von Stockton (Kalifornien, USA), in einem Interview mit The Guardian.

Auch in Newark, New Jersey, gibt es Überlegungen für ein solches Programm, wenngleich in beiden Fällen die Reichweite gering ist. Wenn es um Armut geht, müssen grundsätzlich zwei Formen unterschieden werden: 1) der bloße Mangel an Einkommen aus Mangel an Erwerbsgelegenheiten oder aufgrund anderer Prioritäten (z. B. bei Alleinerziehenden); 2) Armut aufgrund lebensgeschichtlicher Traumatisierungen und ihrer Folgen – an ihnen würde zwar auch ein BGE nichts ändern, es würde allerdings die Stigmatisierung aufheben, die mit heutigen Existenzsicherungsleistungen einhergeht. Der Einzelne würde in seiner besonderen Lage anerkannt, ohne als nicht erwerbsfähig betrachtet zu werden.

Siehe auch hier und hier.

Sascha Liebermann

„It’s not the jobs that are bullshit (that is of no social value), it’s the bullshit in the jobs“…

…schreibt Paul Thompson auf Labourlist. Die Frage ist, wer entscheidet darüber, ob etwas ein Bullshit-Job ist oder nicht? Sicher lässt sich Manches darüber sagen, welche Entwicklungsmöglichkeiten eine Aufgabe (Arbeitsplatz) bietet, welche Anforderungen sie stellt. Doch, ob sie aus der Sicht desjenigen, der vor der Wahl steht, sie zu übernehmen, „bull-shit“ ist, muss er letztlich selbst entscheiden können, sonst landen wir in der obrigkeitstaatlich verordneten Sinnhaftigkeit von „Arbeit“, die jede „Arbeit“, die anderen Bedürfnissen dient, als sinnvoll erachtet. Dann bilden wieder das „Recht auf Arbeit“ und die „Pflicht zur Arbeit“ eine Einheit (Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik, Art. 24 (2)), ganz gleich, was derjenige davon hält, der sie übernehmen soll.

Wenn Thompson in seiner Schlussfolgerung also bullshit-jobs und universal basic income gegenüberstellt, geht das über die Frage, wer darüber zu befinden haben sollte, hinweg. Damit kann der Einzelne nicht zur Geltung kommen. Das widerspricht den Grundfesten der Demokratie.

Sascha Liebermann

„Why Legendary Economists Liked Universal Basic Income“…

…ein Beitrag von Stephen Mihm auf Bloomberg.

Mihm schreibt unter anderem:

„Since the late 18th century, UBI hasn’t been seen as a form of welfare so much as a way to get rid of welfare entirely. That may explain why it has attracted such an eclectic group of supporters over the centuries — and may account for its renaissance today.“

Wie so oft bei der Suche nach Vorläufern, werden hier manche mit dem UBI in einem Zug genannt, die dort nicht hineingehören, z. B. Friedman under Hayek.

Sascha Liebermann