„Kind oder Porsche“…

…auch wenn dieser Titel nicht ernsthaft wörtlich zu nehmen ist, weist der Beitrag von Christoph Schäfer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf einen wichtigen Punkt hin: die Aufwendungen, die Eltern für Kinder haben und welchen Einkommensverzicht dies mit sich bringt. Dass Eltern sich nicht aus einkommenskalkulatorischen Gründen für Kinder entscheiden, steht auf einem anderen Blatt, dennoch müssen sie sehen, wie sie die Aufwendungen stemmen können. Vor fünf Jahren hatte die Wirtschaftswoche ebenfalls die provokative Rechnung aufgemacht. Daten des Statistischen Bundesamtes dazu finden Sie hier.

„Der Lernerfolg kommt mit der Struktur“ – ist aber dennoch nicht plan- oder steuerbar…

…das macht Stefan Kühl, Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld, in seinem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deutlich, der sich mit der Verfasstheit von Studiengängen an deutschen Hochschulen beschäftigt. Kühls Überlegungen, an Strukturen etwas zu verändern, um inhaltliche Veränderungen mittelbar zu ermöglichen, lässt sich gut auf die Grundeinkommensdebatte übertragen. Denn auch hier geht es darum, Strukturen – hier des Sozialstaats – zu verändern, um dadurch einen Sozialstaat zu schaffen, der dem Freiheitsverständnis der Demokratie näher kommt. Nicht alles in Kühls Beitrag leuchtet ein, er bietet aber gute Anstöße. Gerade die Feststellung, dass zwar gestaltet, nicht aber durch Planung und Steuerung Ergebnisse sichergestellt werden können, ist hochaktuell.

Siehe hierzu auch „Infantilisierung der Studenten durch Anwesenheitspflicht“.

„Erwerbstätigkeit für 47% der Bevölkerung Haupteinkommensquelle“…

…oder andersherum 53% haben andere Einkommensquellen, leben also nicht „von der eigenen Hände Arbeit“, wie illusionsgeneigt die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts deutet. Der „eigenen Hände Arbeit“ ist eine beliebte Verklärung der angeblich individuell erbrachten Leistung, um von der umfänglichen Abhängigkeit von Leistungen anderer abzulenken. Alleine am Phänomen der „unbezahlten Arbeit“ wird deutlich, wie sehr das eine ohne das andere gar nicht möglich ist, doch wer will sich das schon anhören, wird damit doch der Vorstellung das Wasser abgegraben, Leistung sei irgendwie eins zu eins zurechenbar – das ist die Illusion des Leistungslohns. Es lebt sich gut mit dem Märchen davon, dass die „einen für die anderen“ bezahlen, die Erwerbstätigen also für die Nicht-Erwerbstätigen, ohne zu erwähnen, was die Nicht-Erwerbstätigen für die Erwerbstätigen leisten.

Sascha Liebermann

„Pflegeheim schließt wegen Personalmangels“…

…einen Einblick in die Lage in der Altenpflege gibt ein Beitrag von Britta Beeger und Benjamin Fischer in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Deutlich wird darin, dass die Arbeitsbedingungen eine noch größere Rolle spielen für die Lage als die Löhne, zumindest wird darauf im Beitrag verwiesen. Offenbar vermögen es Zeitarbeitsfirmen, Druck auf die Löhne auszuüben, warum können das die gesuchten Mitarbeiter als solche nicht, wenn sie doch so gefragt sind?

Welche Möglichkeiten böte ein Bedingungsloses Grundeinkommen? Zumindest würde es die Pflege durch Angehörige nicht nur erheblich vereinfachen, es würde sie dadurch aufwerten, dass sie nicht mehr im Spannungsverhältnis zur Rückkehr in den Arbeitsmarkt stünde.

Sascha Liebermann

„Die Menschen das tun lassen, was sie wirklich, wirklich wollen“ – „Neue Arbeit“ verlangt die Möglichkeit, scheitern zu können…

…ein Interview mit Frithjof Bergmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Begriff „Neue Arbeit“, den er einst geprägt hat und was in der gegenwärtigen Verwendung davon übrig ist.

Bergmann plädierte – und tut es immer noch – dafür, Freiräume der Selbstbestimmung bezüglich der Frage zu schaffen, was will jemand wirklich tun. Das erinnert an Marx‘ „Reich der Freiheit“, das „Reich der Notwendigkeit“ besteht ebenso fort, auch für Bergmann. Wie es um Selbstbestimmung dabei steht, zeigt folgende Passage, in der er sich zum Grundeinkommen äußert:

FAZ: „Warum sind Sie so kritisch dem Grundeinkommen gegenüber?“
Bergmann: „Die Grundidee dieses Grundeinkommens ist ja, dass man mehr oder weniger automatisch ein gewisses Einkommen bekommt. Dass einem das zusteht. Die „Neue Arbeit“ ist ein Versuch, die Menschen dazu zu bringen, ihre Arbeit ganz anders zu erleben als bisher. Und das ist von meiner Erfahrung her absolut nicht der Fall beim sogenannten Grundeinkommen. Ich halte vom Grundeinkommen sehr wenig, weil es vorgeschrieben wird. Und nicht das ist, was ich vorhin innovativ genannt habe und erfinderisch. Das Grundeinkommen kommt mir vor wie etwas sehr Geschustertes, Fabriziertes. Es ist nicht innovationsfördernd.“

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„Stell Dir vor, es ist heiß und das Freibad hat zu“ – Über Arbeitsbedingungen und Einkommen…

…sagt der Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einiges. Ganz wie in Diskussionen um ein Bedingungsloses Grundeinkommen, ohne dass es schon eingeführt wäre, wird hieran deutlich: wenn es angesichts einer Aufgabe von öffentlichem Interesse niemanden gibt, der sie – aus welchen Gründen auch immer – zu übernehmen bereit ist, dann kann es nur eine Diskussion darüber geben, woran das wohl liegen mag.

„Studie zur Familienpolitik: So plump rechnet Unicef“…

…darüber schreibt Christoph Schäfer auf faz.net (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Er befasst sich mit einer vielzitierten Studie, deren Ergebnisse jüngst in den Medien kursierten, ohne dass die Studie selbst zugänglich wäre. Schäfer spießt die Kriterien auf, nach denen eine Länderrangfolge in Familienfreundlichkeit erstellt wurde, weist auf fragwürdige Vergleiche hin und gibt an einer Stelle zu bedenken, dass Familienfreundlichkeit doch am ehesten dort herrsche, wo Eltern entscheiden können, wie sie mit der Aufgabe Elternschaft umgehen wollen. Doch, wo gibt es eine Familienpolitik, die nicht normativ lenken will? In Deutschland zumindest nicht, wenn man an das Elterngeld denkt und die immer weitere Ausdehnung von Betreuungszeiten in Kitas sowie der Absenkung des Zutrittsalters. All das segelt unter der Fahne der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Altersarmut von Frauen soll durch ausgiebigere Erwerbsteilnahme vorgebeugt werden. Wo bleibt da „Zeit für Familie“, die einst der Achte Familienbericht im Titel hatte, dann aber vorschlägt, die Ganztagsbetreuung flächendeckend auszubauen, also: keine Zeit für Familie.

Sascha Liebermann