Die moralische Degradierung derer, die nicht erwerbstätig sind oder nicht sein wollen, ist die logische Folge der Erwerbsnorm. Alle etablierten politischen Kräfte halten an ihr fest. Nur ein #BGE hebt die Erwerbsnorm auf. Nur ein BGE entmoralisiert die Joblosigkeit. (MS)
— BGE Eisenach (@bge_esa) July 5, 2021
„Aus Liebe zur Freiheit“ – wenn es aber ernst wird mit Freiheit, äußert sich Christian Lindner paternalistisch…
#BGE – „Aus Liebe zur Freiheit“ https://t.co/EcJkjFumna
— BGE Eisenach (@bge_esa) June 30, 2021
…so z. B. allzu deutlich hier, hier und hier.
Es verwundert, dass Unternehmer gegen die Verherrlichung von Erwerbstätigkeit, gegen ihre Umwertung zum Selbstzweck, nicht deutlich das Wort ergreifen, sieht man einmal von selten Äußerungen wie derjenigen Götz W. Werners ab. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung (siehe auch hier) sagte er:
[Stuttgarter Zeitung]“Wäre es nicht Ihre vornehmste Aufgabe, Arbeitsplätze zu schaffen?
[Götz W. Werner] Ich muss wirklich sagen, dass ich dieses Gerede von der Schaffung neuer Arbeitsplätze langsam nicht mehr hören kann. Warum wird dem so wenig widersprochen? Die Wirtschaft hat nicht die Aufgabe, Arbeitsplätze zu schaffen. Im Gegenteil. Die Aufgabe der Wirtschaft ist es, die Menschen von der Arbeit zu befreien. Und das ist uns in den letzten 50 Jahren ja auch grandios gelungen.“
Stattdessen äußern sich Unternehmer bzw. Unternehmensverbandsvertreter nicht selten genau in die andere Richtung, siehe hier und hier. Ein BGE würde hier, weil es Wertschöpfung und nicht Arbeitsplätze als Zweck des Wirtschaftens betont, manches geraderücken.
Sascha Liebermann
Sanktionen und Erwerbspflicht – das eine folgt aus dem anderen
Daran ändert die Aufhebung der Sanktionen wenig bis gar nichts. Die Erwerbspflicht macht die Nicht-Erwerbstätigkeit zum Defizit. Deshalb fühlen sie sich so, als hätten sie was falsch gemacht.
Nur ein #BGE hebt die Erwerbspflicht auf. Nur mit BGE ist Joblosigkeit kein Defizit.— BGE Eisenach (@bge_esa) July 4, 2021
Endlich Klartext oder: alter Wein in neuen oder eher in alten Schläuchen, zugleich eine Selbstentmündigung
Wolfram Weimer gibt sich in einem Beitrag in The European Mühe, triftige Einwände gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen zu formulieren – „Vier Gründe, warum ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht funktioniert“. Wer so entschieden ansetzt, muss gute Argumente haben, sollte man meinen. Was schreibt er?
Weimer nennt in der Einordnung zu Beginn, die sich auf den Start des Pilotprojekt Grundeinkommen bezieht, nicht einen Verweis auf wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema, das ist schon interessant angesichts der Menge an internationalen Veröffentlichungen. Damit ist er in guter Gesellschaft mit anderen Kritikern, die mit ähnlicher Verve sich um wissenschaftliche Literatur nicht scheren, wie z. B. Horst Siebert einst mit seinem Beitrag „Das bedingungsloses Grundeinkommen für jeden – ein schlimmer Irrweg“ (2007). Ich kommentiere seine Einwände der Reihe nach:
Erster Einwand: Die Ausgabenseite wird brutto betrachtet und mit dem Bundeshaushalt verglichen, nun ja, solche Rechnungen werden immer wieder angestellt, sind aber nicht relevant. Wer denkt schon in Ausgaben, ohne Einnahmen zu betrachten? Wenn schon Ausgaben betrachtet werden, dann müsste es um Nettoausgaben gehen. Mit Weimers Rechnung könnte kein Unternehmen existieren, wenn es ohne Einnahmen plant.
„Der Mindestlohn steigt ab Juli auf 9,60 Euro“
Der Mindestlohn steigt ab Juli auf 9, 60 Euro.
9,6 x 40 = 384 Euro
384 x 4 = 1 536 EuroBrutto
Und jetzt googelt mal 2-Zimmer-Wohnung in jeder beliebigen deutschen Großstadt.
Löhne diskutieren ohne Wohnungsmarktdebatten ist ne Nullnummer.
— Jagoda Marinić (@jagodamarinic) July 1, 2021
Dokumentation einer Abendveranstaltung zum Grundeinkommen an der Evangelischen Akademie Tutzing
Dokumentation einer interessanten kontroversen Abendveranstaltung der @EATutzing zum #BGE sowie dem möglichen Beitrag des @BGEpilotprojekt zur Versachlichung der Debatte https://t.co/oyLMv2CKlv
— Jürgen Schupp (@jpschupp) June 18, 2021
„Sanktionen können sich längerfristig auf die Beschäftigungsqualität auswirken“…
…darum geht es in einem Beitrag von Markus Wolf, der im IAB-Forum über „Befunde aus der IAB-Grundsicherungsforschung 2017 bis 2020“ berichtet. Überraschend sind diese Befunde nicht. Leider erlauben die dazu genutzten standardisierten Daten keine Einsichten in die konkrete Problemlage von Leistungsbeziehern und wie sie mit ihr umgehen. Instruktiver sind dann Studien wie die zur sogenannten Armuts- bzw. Arbeitslosigkeitsfalle, in deren Rahmen immerhin ausführliche Interviews geführt wurden:
„Zur Kritik des Armutsfallentheorems“ (Ronald Gebauer und Hanna Petschauer)
„Die Arbeitslosigkeitsfalle vor und nach der Hartz-Reform“ (Georg Vobruba und Sonja Fehr)
„Wer sitzt in der Armutsfalle?“ (Ronald Gebauer, Hanna Petschauer, Georg Vobruba)
„Arbeit gegen Armut. Grundlagen, historische Genese und empirische Überprüfung des Armutsfallentheorems“ (Ronald Gebauer)
Ein Mangel ist darin allerdings, dass man nichts darüber erfährt, wie sie ausgewertet wurden, wie dabei vorgegangen wurde.
Interessant hierfür auch die Arbeit von Franz Erhard „Die Erfahrung von Armut“.
Sascha Liebermann
„Nicht die Arbeit hat Würde“
Bedingungsloses #Grundeinkommen pic.twitter.com/CHkVqowqu2
— Thomas Oberhäuser (@ThoOb) June 30, 2021
Frühere Beiträge von unserer Seite zur Menschenwürde finden Sie hier.
North American Basic Income Guarantee Congress – recordings online…
Did you miss NABIG this year? Not to worry! You can access all of the recordings here: https://t.co/3v3u4v44iA
There were plenty of fascinating conversations had on topics related to basic income — feminism, climate change, racial justice, mental health, and more. Check ‚em out!
— North American Basic Income Guarantee Congress (@NABIGCongress) June 22, 2021
…für alle interessant, die einen Einblick in die nordamerikanische, aber auch internationale Diskussion erhalten wollen.
„Ohne Ehrenamt kann ein Gemeinwesen nicht existieren“…
…Interview mit Sascha Liebermann für die Industrie- und Handelskammer Bonn/ Rhein Sieg