„Eine Aldi-Verkäuferin, ein Bestseller-Autor…“ und ein BGE – Beitrag in brand eins

„Wir leben in paradiesischen Zuständen“ – Götz W. Werner zum 75. Geburtstag

…es war dieses Interview mit Götz W. Werner in Brand eins, das damals für erhebliches Aufsehen sorgte. Wenige Monate zuvor veröffentlichte a tempo. Das Lebensmagazin, eine Beilage des dm-Magazins Alverde, unter dem Titel „Immer am Säen“, ein Interview, in dem Götz W. Werner das Grundeinkommen als Bürgereinkommen bezeichnete. Etwa ein Jahr nach dem Interview in Brand eins erschien eines, das Arno Luik mit ihm im stern unter dem Titel „Das manische Schauen auf die Arbeit macht uns alle krank“ führte. Dazwischen nahm die Debatte an Fahrt auf, die Anzahl an Veröffentlichungen war enorm. Ohne Götz W. Werners Engagement hätte der Vorschlag eines Bedingungsloses Grundeinkommens sicher nicht das Gehör gefunden, das er gefunden hat.

Abgedruckt sind beide oben erwähnten Interviews neben weiteren in „Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen“, das 2006 das erste Mal erschien und mehrere Auflagen erlebte.

Im Archiv Grundeinkommen lässt sich gut nachverfolgen, wie sich die Debatte entwickelte. Unsere Beiträge in einer Chronologie finden Sie in der Rubrik „In der Presse“.

Zwar gab es schon, bevor diese öffentliche Diskussion einsetzte, immer wieder Beiträge über ein Grundeinkommen, wobei oft nicht klar war, worum es genau ging, ist der Ausdruck doch unscharf. Auch erschienen frühere Beiträge nicht selten an Orten, die für ein breites Publikum schwer zu erreichen waren. Direkt auf die Öffentlichkeit zu zielen, damit dort eine Diskussion in Gang kommen konnte, zeichnet die Diskussion seit 2004 aus. Siehe hierzu auch diese Darstellung.

Sascha Liebermann

„Freiheit ist ein mächtiger Produktionsfaktor“…

…ein Interview mit Philippe van Parijs, einem der Gründer des Basic Income European (heute: Earth) Network, im Magazin brand eins (Heft 1, 2018). Das Interview enthält viele interessante Bemerkungen, z.B. über die Frage einer schrittweisen Einführung, die Höhe des Betrags, den Rückgang des Arbeitsangebots, das entstehende Leistungspotenzial, ein Partizipationseinkommen und Feldexperimente (siehe hier und hier). Dass van Parijs ohne weitere Kommentierung die Beseitigung der Armutsfalle für einen Effekt eines auch niedrigen BGE hält, überrascht angesichts der mangelnden empirischen Belege dafür, dass die Armutsfalle tatsächlich ein Problem darstellt. Siehe dazu diese differenzierten Darstellungen:

„Freiheit ist ein mächtiger Produktionsfaktor“… weiterlesen

„Die Wirtschaft hat ja im Grunde die Aufgabe die Menschen von der Arbeit zu befreien“…

…mit dieser Aussage in einem Interview mit brand eins hat Götz W. Werner vor vielen Jahren für Aufsehen gesorgt, in einem Interview mit Business Insider wiederholt er sie. Man vergleiche diese Haltung nur mit derjenigen des Vorstandsvorsitzenden von Siemens, Joe Kaeser, der auf Kritik an bevorstehenden Entlassungen durch Martin Schulz (SPD) diesbezüglich erstaunlich defensiv reagierte. Vergleiche auch die Äußerungen des Bosch-Geschäftsführers Christoph Kübel zu den Aufgaben der Gesellschaft, die „Menschen für die Arbeitswelt fit zu machen“.

Auf und Ab in einem Leben als Schauspieler

In dem Beitrag „Von Hundert auf Null“ in der Augustausgabe von brandeins schildert ein Schauspieler die Unwägbarkeiten und Mühen seines Berufs, fehlende Anerkennung und Einkommensengpässe. Was ein Bedingungsloses Grundeinkommen nicht beheben könnte, wäre das Gefühl, als Schauspieler nicht mehr anerkannt zu sein und sich deswegen mit anderen stets zu vergleichen, wie es im Text geschildert wird. Ein ausreichend hohes BGE allerdings würde durch eine gewisse Einkommenssicherheit einen festen Boden dafür schaffen, mit dieser Situation anders umzugehen (siehe auch hier).

Anlässlich des Münchner Grundeinkommenskongresses wird im Podiumsgespräch am Freitagabend auch um die Frage gehen, wie sich ein BGE auf das Kulturleben auswirken könnte. Teilnehmer: Michael Fitz (anstelle von Michael Brandner), Sascha Liebermann und Susanne Wiest. Moderation: Renate Börger.