Das Geld und die Eigenverantwortung…
Linnemann (@CDU) sagt, der Staat schütte die Probleme mit Geld zu statt auf Eigenverantwortung setzen.
Dem liegen 2 Fiktionen zugrunde:
(1) Geld untergrabe Eigenverantwortung statt sie zu ermöglichen.
(2) Eigenverantwortung sei identisch mit Gelderwerb.#BGE #Grundeinkommen
— BGE Eisenach (@bge_esa) September 23, 2023
…damit trifft BGE Eisenach einen entscheidenden Punkt in der Debatte, die Vermischung zweier nicht zusammengehöriger Dimensionen. Weder führt Geld, also Einkommen, unmittelbar dazu, „Eigenverantwortung“ zu entwickeln, noch schwächt oder untergräbt es dieselbe. „Eigenverantwortung“, besser: Autonomie, ist eine grundlegende Haltung, die im Zuge der Sozialisation ausgebildet und durch ihre vergemeinschaftende Geltung als Norm bestärkt wird. Einkommen erzielen zu müssen, um ein Auskommen zu haben, führt nicht dazu, diese Haltung herauszubilden. Vielmehr ist es erst möglich, sich am Gebot der Einkommenserzielung zu orientieren, wenn Autonomie als Haltung sich herausgebildet hat und als eine vergemeinschaftende Geltung sie bestärkt und herausfordert.
Dieselbe Verkürzung findet sich in der Rede von „Anreizen“, die in diesem Zusammenhang häufig bemüht wird.
Sascha Liebermann
„Das Grundeinkommen wäre ein Desaster“…
…wenn denn die Annahmen zuträfen, die Studien innewohnen, aus denen solche Schlüsse gezogen werden. Davon geht Patrick Bernau (Bezahlschranke) wohl aus, wenn er in seinem Beitrag in der Frankfurter Allgemeine Zeitung dem Grundeinkommen solche Folgen attestiert. Er beruft sich dabei auf eine Studie (hier eine Vorfassung), die allerdings ebenso mit Annahmen operiert, also etwas simulieren, nicht aber von tatsächlichen Veränderungen zeugen. Bevor er auf sie eingeht widmet er sich kurz zweier Studien, einer des DIWs, die kürzlich veröffentlich wurde, und einer des Ifo-Institut (zum Vergleich der Studien von DIW und Ifo, siehe hier).
Bernau hält der DIW-Studie vor:
„Das heißt, die Studienautoren nehmen einfach an, dass die Deutschen mit Grundeinkommen so viel arbeiten würden wie ohne. Eine etwas andere Untersuchung, die der Lobbyverein vor zwei Jahren beim Ifo-Institut in Auftrag gab, lässt indes genau daran stark zweifeln.“
Die DIW-Studie hat ausdrücklich und bewusst davon abgesehen, etwaige Verhaltensänderungen zu simulieren und begründet, weshalb darauf verzichtet wurde. Wer die Rede von empirischer Sozialforschung ernst nimmt, kann der Begründung ohne weiteres folgen, denn die Simulation von Verhaltensänderungen ist eben nur eine Verlängerung von Befunden aus der Vergangenheit in eine Zukunft, die wir nicht kennen. Hierin sehe ich eine grundsätzlichen Einwand gegen solche Simulationen, auch wenn sie in manchen wissenschaftlichen Disziplinen zum Tagesgeschäft gehören. Diese Daten sagen nichts darüber aus, wie Menschen in Zukunft handeln werden. Selbst wenn man Verhaltensänderungen in der Zukunft im Verhältnis zur Vergangenheit für unwahrscheinlich hält, ist das bloß eine Vermutung, die der empirischen Grundlage entbehrt. Wir können erfahrungswissenschaftlich Handeln in der Vergangenheit methodisch diszipliniert untersuchen, nicht aber in der Zukunft, da geht es bestenfalls um Schätzungen auf der Basis von Vermutungen. Empirische Forschung schaut also notwendigerweise immer in die Vergangenheit – der Blick nach vorne verlässt den Boden der Erfahrungswissenschaft.
Dann schreibt Bernau folgendes:
Eine Diskreditierung…
BGE-„Lobby“
BGE-„Fans“
„Desaster“ #Grundeinkommen
Lobby tritt für selektives Interesse ein, was #BGE nicht ist.
Für eine Sozialpolitik einzutreten, ist keine Fanschaft.
Wie kann man wissen, dass etwas ein Desaster wäre, was noch nie realisiert wurde?
— BGE Eisenach (@bge_esa) September 24, 2023
… ist es, wenn Patrick Bernau in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wie BGE Eisenach hier zurecht hervorhebt, diejenigen, die gute Gründe für ein Bedingungsloses Grundeinkommen vorbringen, einfach als Fans einstuft. Die Vorliebe von Fans ist nicht argumentativ einholbar, es ist eine Art Bekenntnis, ergo wären BGE-Befürworter keine ernsthaften Diskutanten. Dennoch, was dem Eingangssatz sogleich widerspricht, bezieht sich Bernau auf Studien – eine DIW- und eine Ifo-Studie – und hält dann die letztere für plausibler.
Sascha Liebermann
„Grundgesetz [ist] kein Narrativ“
Das Gebot, Personen als Selbstzwecke zu behandeln, ist kein Narrativ.
Genauso wenig ist das Grundgesetz ein Narrativ.#BGE #Grundeinkommen https://t.co/1aAsojPHug
— BGE Eisenach (@bge_esa) September 16, 2023
„Und es ist doch finanzierbar“…
…Michael Bohmeyer von Mein Grundeinkommen über die Unterscheide zweier Studien zur Finanzierung, die eine stammt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, die andere vom Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium der Finanzen (unsere Kommentare zur dieser Studie finden Sie hier).
Der Beitrag bietet eine gute Übersicht zu den Annahmen der Studien und den daraus folgenden unterschiedlichen Ergebnissen samt Schlussfolgerungen. Den Blick auf die Annahmen zu richten ist keine neue Einsicht, denn wenn schon nicht das reale Handeln von Personen sowie ihre handlungsleitenden Überzeugungen untersucht werden, dann bleibt nur, ein solches zu simulieren, und zwar auf der Basis von Annahmen. Das gewinnt dadurch zwar fiktionalen Charakter, denn die Simulation ist nicht etwas, dass sich im realen Leben schon als Handeln manifestiert hat (deswegen die ceteris paribus). Die Frage ist, wie man zu den Annahmen gelangt und hier spielt es eine entscheidende Rolle, wie die soziale Wirklichkeit erforscht wird. Von großer Bedeutung ist hierbei die verbreitete, stark reduktionistische Verwendung des Begriffs „Anreize“, der auch in den Studien eine entsprechende Rolle spielt.
Bei allen Hoffnungen, die Mein Grundeinkommen auf die vermeintlich realitätsnahen Feldexperimente (siehe auch hier) setzt, bleiben sie Experimente. Realistisch wäre eine Untersuchung erst, nachdem ein BGE eingeführt worden wäre, wie manche Wissenschaftler schon geäußert haben, denn im Unterschied zu naturwissenschaftlichen Forschungsgegenständen, sind diejenigen der Sozialwissenschaften selbstreflexiv, ihr Handeln orientiert sich stets an den Handlungsmöglichkeiten und etwaigen Folgen, die sie mit sich bringen.
Sascha Liebermann
Erwerbsobliegenheit? Die FDP scheint sie zu kennen,…
Die Erwerbspflicht (= kein #BGE) ist keine Grundüberzeugung von Freiheit und Eigenverantwortung, sondern Bevormundung. Für andere vorwegzunehmen, was sie zu tun haben – nämlich erwerbstätig zu sein – missachtet gerade deren Eigenverantwortung. #Grundeinkommen
— BGE Eisenach (@bge_esa) September 13, 2023
…das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland nicht (siehe hier). Was folgt daraus? Keine Erwerbsverpflichtung und keine Nachrangigkeit des Sozialstaats, sondern eine Vorrangigkeit der Stärkung von Autonomie durch Absicherung einer Einkommensbasis im Geiste der Demokratie. Denn Selbstbestimmung kann nicht zur Disposition stehen in einer Gemeinschaft von Bürgern, ohne sich selbst das Wasser abzugraben.
Sascha Liebermann
Treffend
#Lohn: Die Leistung ist ein Einkommen wert.#Buergergeld: Erwerbswillige Erwerbslose sind ein Einkommen wert.#BGE: Der Mensch ist ein Einkommen wert.#Grundeinkommen
— BGE Eisenach (@bge_esa) September 12, 2023
Anderer Blickwinkel…
„wenn eine Frau ein Kind bekommt,arbeitet sie 1 Jahr danach 50% weniger als zuvor“?
richtig wär: „arbeitet sie 1J danach mehr als doppelt so viel, bekommt aber 50% weniger bezahlt“
unbezahlte Arbeit nicht zu sehen ist Teil des Problems thank you for coming to my ted talk https://t.co/xrhop6r5BW
— Corinna Milborn (@corinnamilborn) September 11, 2023
…, der die Erwerbszentrierung deutlich bezeugt und daraus folgend das Ausblenden unbezahlter Arbeit.
Sascha Liebermann
Alle blasen in dasselbe Horn…
Vielleicht geht’s nur mir so, aber der Beitrag⬇️ https://t.co/t8ptrcgAxu zum #Buergergeld ist echt kurios: Da wird klargestellt, dass Menschen in Arbeit immer mehr haben als ohne, aber im Text bzgl der Schöb-Analyse mit dem Narrativ „Arbeit lohnt sich nicht“ fortgefahren. 1/9🙄
— SeTh (@EconomicEthics) September 8, 2023
…und keiner fragt, ob diese „Anreize“ überhaupt so wirken, wie es behauptet wird. Sebastian Thieme spießt das zurecht auf. Wie es möglich ist, dass trotz differenzierterer Betrachtungen zur Entstehung und Entfaltung von Leistungsbereitschaft dennoch diese extrem vereinfachten und damit sachlich falschen Zusammenhänge hergestellt werden?
Siehe dazu auch hier und hier.
Sascha Liebermann