Argumentationslose Ablehnung in sozialwissenschaftlichem Gewand

In jüngerer Zeit sind wieder Veröffentlichungen zum Bedingungslosen Grundeinkommen erschienen, die in gewisser Hinsicht symptomatisch für den Stand der Diskussion sind. Wären es kritische Abhandlungen, die wichtige Fragen aufwürfen, könnten sie für die Diskussion hilfreich sein, denn auch auf Seiten der Befüworter gibt es untaugliche Argumente für ein BGE. Doch die hier zu erwähnenden Abhandlungen strotzen vor Denkverweigerung, weil die Autoren das BGE einfach nicht haben wollen. Das ist ihr gutes Recht, sie sagen es aber nicht offen, sondern kleiden ihre Ablehnung in sozialwissenschaftlich daherkommende Gewänder, so z. B. bei Christoph Butterwegge auf der Gewerkschaftsplattform gegenblende (siehe auch hier) oder bei Gerhard Bäcker, Prof. em. an der Universität Duisburg-Essen, in seinem IAQ-Standpunkt „Grundeinkommen: besinnungslos bedingungslos“. Ronald Blaschke hat einige der in Bäckers Ausführungen enthaltenen Unterstellungen zusammengefasst, siehe „Besinnungslose Kritik am Grundeinkommen“. Vor einigen Jahren war schon der ehemalige Sozialrichter Jürgen Borchert durch den vehementen Widerwillen aufgefallen, sich tatsächlich mit dem BGE auseinanderzusetzen. Auch Andrea Nahles hat ihre argumentationslose Ablehnung in diesem Jahr sehr deutlich gemacht.

Sascha Liebermann

„Feste Jobs gestrichen, Löhne gedrückt: Ist das die neue Arbeitswelt?“…

…man stelle sich angesichts dieses Themas bei Hart aber fair schlicht vor, wie es mit den Paketboten und ihren Arbeitsbedingungen wohl aussehen würde, wenn es ein Bedingungsloses Grundeinkommen gäbe? Manche Diskussion würde sich dann erübrigen und auf einfache Weise ein tragfähiger Ausweg gewiesen. Daran könnten dann weitere Lösungen, wenn nötig, ansetzen. Aber, wer will schon die Verhandlungsmacht der Mitarbeiter stärken? Siehe auch hier und hier.

„Ist jede Arbeit besser, als arbeitslos zu bleiben?“…

…fragt Florian Rötzer auf Telepolis und bezieht sich auf eine Studie britischer Wissenschaftler. Keine neue Einsicht, aber immer gut, dass darauf hingewiesen wird. Diese Frage würde sich ganz anders stellen, wenn es ein Bedingungsloses Grundeinkommen gäbe. Deswegen eben „Freiheit statt Vollbeschäftigung“.